Wer ein Igelhaus kaufen möchte, sollte zuerst klären, ob es ein Schlafhaus oder ein Futterhaus werden soll. Für ein Schlaf- und Winterquartier zählen ein ausreichend großer Innenraum, ein kleiner Eingang mit Trennwand, ein geschlossener Boden und unbehandeltes, atmungsaktives Material. Eine Rattenklappe ist vor allem beim Futterhaus sinnvoll, wo Essensreste Nager anlocken.
In diesem Vergleich erfährst Du, welche Bauarten es gibt, welche Materialien sich bewähren und woran Du ein durchdachtes Modell erkennst. Konkrete Marken nennen wir bewusst nicht, denn entscheidend sind die Merkmale.
Brauchst Du überhaupt ein Igelhaus?
Eine ehrliche Vorbemerkung: Igel bauen ihre Nester am liebsten selbst, in dichten Hecken, unter Reisig oder in Laubhaufen. Das Igelzentrum Zürich hält ein Igelhaus deshalb nur in Ausnahmefällen für nötig, etwa in sehr aufgeräumten Gärten ohne natürliche Verstecke. Ein gekauftes Haus ist also eine Ergänzung, die naturnahe Strukturen nicht ersetzt. Am wirksamsten ist die Kombination: Haus aufstellen und rundherum Laub und Zweige liegen lassen.
Schlafhaus oder Futterhaus?
| Merkmal | Schlafhaus | Futterhaus |
|---|---|---|
| Zweck | Tagesversteck, Winterquartier, Wurfplatz | geschützte Futterstelle im Herbst |
| Futter im Haus | nie | ja, nur hier |
| Rattenklappe | selten nötig | sinnvoll |
| Störung durch Dich | so selten wie möglich | täglich zum Reinigen |
| Standort | ruhig, versteckt | gut erreichbar für Dich |
Viele Hersteller bieten beide Varianten in ähnlicher Optik an. Achte auf die Produktbeschreibung, denn ein Futterhaus muss sich leicht öffnen und auswischen lassen, ein Schlafhaus dagegen möglichst geschlossen und dunkel sein. Ein Futterhaus ist kein Freibrief für Dauerfütterung: Der BUND rät davon ab, Igel ganzjährig zu füttern. Ein abgemagerter oder kranker Igel gehört in fachkundige Hände, also in eine Igelstation oder zum Tierarzt.
Die wichtigsten Kaufkriterien
Innenraum
Der Igel muss sich darin einrollen und ein dickes Nest aus Laub anlegen können. Anleitungen von Naturschutzverbänden sehen für den Schlafraum meist rund 30 Zentimeter Seitenlänge vor. Ein zu kleines Haus lässt kaum Platz für isolierendes Nistmaterial.
Eingang
Ein Eingang von etwa zehn mal zehn Zentimetern lässt den Igel hinein, hält aber größere Tiere fern. Größere Öffnungen laden Katzen, Füchse und Hunde ein.
Trennwand oder Labyrinth
Ein kurzer Gang zwischen Eingang und Schlafraum hält Zugluft, Regen und neugierige Pfoten ab. Nach Angaben des Igelzentrums wirkt ein solcher Labyrinth-Eingang nur zuverlässig, wenn das Haus einen Boden hat.
Boden
Viele einfache Modelle sind unten offen. Das sorgt für Bodenkontakt, macht es Ratten aber leicht, sich hineinzugraben. Ein Boden aus unbehandeltem Holz ist die sicherere Wahl. Kleine Lüftungsschlitze oder Füße darunter verhindern, dass sich Feuchtigkeit staut.
Rattenklappe
Eine leichte Pendelklappe vor dem Eingang erschwert Ratten den Zugang zu Futterhäusern. Sie muss sich in beide Richtungen mühelos öffnen lassen, damit der Igel sie mit der Nase aufschiebt. In einem Schlafhaus ohne Futter ist sie meist entbehrlich.
Dach
Ein abnehmbares oder aufklappbares Dach erleichtert die Reinigung im Frühjahr. Es sollte fest sitzen, leicht schräg stehen und überstehen, damit Regen abläuft. Eine Abdeckung aus Dachpappe schützt Holz zusätzlich.
Materialien im Vergleich
| Material | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Unbehandeltes Massivholz | atmungsaktiv, gut isolierend, natürlich | braucht Witterungsschutz, altert |
| Holzbeton | sehr langlebig, schwer und standfest | schwer zu transportieren, Innenraum oft kleiner |
| Weide oder Rattan | natürliche Optik | oft offen gebaut, verrottet schneller, wenig Schutz gegen Nässe |
| Kunststoff | leicht, pflegeleicht | kann Feuchtigkeit stauen, wenig atmungsaktiv |
Wichtig bei Holz: Es sollte frei von Holzschutzmitteln und Lacken sein, die ausdünsten können. Ein Anstrich, falls überhaupt, gehört nur auf die Außenseite und sollte für Tiere unbedenklich sein.
Kurz-Check: woran Du ein gutes Igelhaus erkennst
- Der Innenraum ist groß genug für ein dickes Nest.
- Der Eingang ist klein und führt über einen Gang in den Schlafraum.
- Es gibt einen Boden, wenn Ratten in Deiner Gegend vorkommen.
- Das Dach lässt sich öffnen, sitzt aber sicher.
- Das Holz ist unbehandelt und massiv.
- Lüftungsöffnungen verhindern Kondenswasser.
- Das Haus wiegt genug, damit es nicht umgestoßen wird, oder lässt sich beschweren.
Lieber selbst bauen? Naturschutzverbände wie der BUND Naturschutz oder der LBV stellen dafür Bauanleitungen mit Maßen bereit.
Fragen zum Igelhaus-Kauf
Muss ich ein gekauftes Igelhaus vor dem Aufstellen vorbereiten?
Lüfte ein neues Haus einige Tage, falls es nach Holz oder Farbe riecht. Lege dann eine Handvoll trockenes Laub hinein und stelle es an einen geschützten, ruhigen Platz.
Eignet sich ein Igelhaus auch für den Sommer?
Ja. Igel nutzen Verstecke das ganze Jahr als Tagesquartier, Weibchen ziehen darin manchmal auch Junge groß. Gerade dann ist Ruhe am Haus besonders wichtig.
Kann ein Igelhaus im Winter zu kalt sein?
Entscheidend ist weniger das Haus als das Nest darin. Ein dickes Polster aus Laub isoliert gut. Deck das Haus außen zusätzlich mit Laub und Reisig ab.
