Das Rotkehlchen ist ein rund 14 Zentimeter kleiner Singvogel mit orangeroter Kehle und Brust, der das ganze Jahr über in deutschen Gärten zu sehen ist. Es frisst vor allem Insekten, Spinnen und Würmer, im Herbst und Winter zusätzlich Beeren. Am Futterplatz greift es gern zu Haferflocken, Rosinen und Weichfutter, die es am liebsten am Boden aufpickt.
Kaum ein Vogel ist so zutraulich. Wer im Beet gräbt, hat oft nach wenigen Minuten einen gefiederten Helfer an der Seite, der auf frisch freigelegte Würmer wartet. Kein Wunder, dass das Rotkehlchen 2021 zum Vogel des Jahres gewählt wurde. Hier erfährst Du, woran Du es sicher erkennst, was es frisst und wie es den Winter verbringt.
Steckbrief Rotkehlchen
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Erithacus rubecula |
| Größe | etwa 12,5 bis 14 Zentimeter |
| Gewicht | etwa 15 bis 18 Gramm |
| Aussehen | orangerote Stirn, Kehle und Brust, olivbraune Oberseite, weißlicher Bauch |
| Männchen und Weibchen | äußerlich nicht zu unterscheiden |
| Lebensraum | unterholzreiche Wälder, Parks, Friedhöfe und Gärten mit dichtem Gebüsch |
| Nahrung | Insekten, Spinnen, Würmer, Schnecken, im Herbst und Winter auch Beeren |
| Brut | meist zwei Bruten, Nest gut versteckt in Bodennähe |
| Zugverhalten | Teilzieher, ganzjährig zu beobachten |
| Bestand in Deutschland | nach NABU-Angaben rund 4,1 bis 5,25 Millionen Brutpaare, nicht gefährdet |
So erkennst Du ein Rotkehlchen
Das auffälligste Merkmal ist das orangerote Gefieder, das sich von der Stirn über die Kehle bis zur Brust zieht. Ein schmaler, bläulich grauer Saum trennt es vom braunen Rücken. Dazu kommen große, dunkle Augen, ein dünner, spitzer Schnabel und lange Beine. Oft sitzt das Rotkehlchen aufrecht und rundlich aufgeplustert, knickst kurz und zuckt mit Flügeln und Schwanz.

Jungvögel sehen ganz anders aus: Ihnen fehlt das Orange noch, ihr Gefieder ist braun mit hellen, schuppigen Flecken. Erst nach der ersten Mauser im Spätsommer bekommen sie die typische Brustfärbung.
Die Stimme verrät den Vogel oft schon, bevor Du ihn siehst. Bei Aufregung ruft er ein hartes „tick“, das sich zu einem schnellen „Schnickern“ steigern kann. Der Gesang beginnt mit hohen, feinen Tönen und läuft in eine perlende, etwas wehmütige Folge aus. Nach Angaben des NABU singen auch die Weibchen, wenn auch leiser und kürzer.
Was fressen Rotkehlchen?
Rotkehlchen sind in erster Linie Insektenfresser. Sie suchen ihre Nahrung am Boden, hüpfen ein paar Schritte, halten inne und schnappen dann blitzschnell zu. Ihr Speiseplan wechselt mit den Jahreszeiten:
| Jahreszeit | Natürliche Nahrung |
|---|---|
| Frühjahr und Sommer | Käfer, Raupen, Fliegen, Ameisen, Spinnen, Regenwürmer, kleine Schnecken |
| Herbst | weiterhin Insekten, dazu Beeren von Holunder, Eberesche und Pfaffenhütchen |
| Winter | überwinternde Insekten und Larven aus Laub und Rinde, verbliebene Beeren, Futter am Futterplatz |
Das Pfaffenhütchen trägt im Volksmund sogar den Namen „Rotkehlchenbrot“, weil die Vögel seine Samen gern fressen. Für Menschen ist der Strauch allerdings giftig.
Besonders geschickt nutzt das Rotkehlchen größere Tiere und Menschen als Helfer. Wo Erde umgegraben oder Laub gewendet wird, kommen Würmer und Larven ans Licht. Das Rotkehlchen bleibt dann oft erstaunlich nah, manchmal nur einen Meter entfernt.
Rotkehlchen im Winter füttern
Bei Frost und Schnee findet das Rotkehlchen am Boden kaum noch Insekten. Dann kann Zufutter helfen. Die Schweizerische Vogelwarte zählt das Rotkehlchen zu den wenigen Weichfressern, die regelmäßig an Futterstellen erscheinen.
Gut geeignet sind:
- Haferflocken, gern mit etwas Pflanzenöl getränkt
- ungeschwefelte Rosinen, kurz eingeweicht
- fein gehackte Nüsse ohne Salz
- fertige Weichfuttermischungen
- getrocknete Insekten oder Mehlwürmer, vorher eingeweicht und nur als Zugabe
Wichtiger noch als das Futter ist der Ort. Rotkehlchen fressen ungern an hängenden Spendern. Biete das Futter deshalb in einem überdachten Bodenspender oder auf einer flachen, sauberen Fläche in Bodennähe an. Ein Strauch in einigen Metern Entfernung gibt dem scheuen Gast Sicherheit. Entferne Reste täglich, damit das Futter nicht verdirbt.
Verhalten im Winter
Bleiben Rotkehlchen im Winter hier?
Ja, zumindest ein Teil. Rotkehlchen sind Teilzieher. Ein Teil der hiesigen Brutvögel zieht im Herbst in den Mittelmeerraum, nach Beobachtungen von Vogelkundlern häufiger die Weibchen als die Männchen. Gleichzeitig kommen Rotkehlchen aus Nord- und Osteuropa zu uns. Deshalb siehst Du im Winter nicht unbedingt dasselbe Tier wie im Sommer.
Ein Revier, auch in der kalten Jahreszeit
Anders als viele andere Singvögel besetzen Rotkehlchen auch im Winter ein eigenes Revier und verteidigen es gegen Artgenossen. Das gilt bei dieser Art auch für die Weibchen, die sich ein kleines Futterrevier sichern. Darum siehst Du am Futterplatz meist nur ein Rotkehlchen. Taucht ein zweites auf, gibt es oft eine kurze Verfolgungsjagd.
Der Wintersänger
Weil Rotkehlchen ihre Reviere mit Gesang markieren, hörst Du sie auch an grauen Novembertagen und im Januar. In beleuchteten Städten singen sie manchmal sogar nachts. Für viele Menschen ist ihr Lied deshalb der Klang des Winters im Garten.
Harte Winter
Lange Frostperioden mit geschlossener Schneedecke sind für den kleinen Insektenfresser gefährlich. Er hat kaum Fettreserven und muss täglich viel Nahrung finden. Nach strengen Wintern können die Bestände regional deutlich sinken, erholen sich in milden Jahren aber in der Regel wieder.
So hilfst Du Rotkehlchen im Garten
- Dichte Sträucher: Hecken und Gebüsch bieten Deckung, Schlafplätze und später Nistplätze.
- Laub unter Gehölzen: In der Laubschicht überwintern Insekten, die das Rotkehlchen im Winter aufstöbert.
- Reisig und Totholz: Ein Haufen aus Zweigen ist Versteck und Speisekammer zugleich.
- Wasser: Rotkehlchen baden gern und häufig, auch im Winter, wenn die Schale eisfrei ist.
- Verzicht auf Gift: Ohne Insektizide und Schneckenkorn bleibt mehr Nahrung im Garten.
Fragen zum Rotkehlchen
Wie unterscheide ich Männchen und Weibchen?
Am Gefieder gar nicht, beide sehen gleich aus. Hinweise gibt höchstens das Verhalten in der Brutzeit: Das Weibchen baut das Nest und brütet, das Männchen bringt ihm Futter.
Warum kommt das Rotkehlchen so nah an Menschen heran?
Es hat gelernt, dass dort, wo Menschen graben oder Laub bewegen, leichte Beute auftaucht. Seine geringe Fluchtdistanz macht es zu einem der besten Beobachtungsvögel im Garten.
Frisst das Rotkehlchen auch Sonnenblumenkerne?
Ganze Kerne kann es mit seinem feinen Schnabel kaum öffnen. Gehackte, geschälte Kerne oder Kernbruch nimmt es aber gelegentlich an, vor allem gemischt mit Haferflocken.
Titelbild: Foto: Tim Sträter, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

